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Einleitung

In der cq-DL 9/85 wurde von OM Heinz Ho-sang, DK8ZV, bereits eine Anwendung des T2LT (Tuned transmission line trap) mit dem Artikel "Kleine, leistungsfähige Lambda/2Vertikalantenne für den 144-MHz-Bereich" dargestellt.

Anregung zu diesem Artikel war, wie auch bei mir, der Artikel von OM Stahler, AA6AX, "New dipole feeder" im 73 Magazine. OM Stahler geht zwar ausführlich auf die Theorie der T2LT ein, leider enthält seine Veröffentlichung keine Bemessungsangaben für die Kurzwellenbereiche.

Funktionsweise

Aus Abb. 1 ist der Aufbau wohl eindeutig ersichtlich. Der T2LT aus dem C und dem L des aufgewickelten Koaxmantels bildet einen auf die Arbeitsfrequenz abgestimmten Parallelschwingkreis, der durch seine hohe Impedanz das Lambda/4-Stück Koaxmantel vom dahinterliegenden Speisekabel abtrennt, also sozusagen einen "selektiven Isolator". Der Strom auf dem Innenleiter des Koaxialkabels bleibt hiervon unbeeinflußt.

Abb 1
Abb 1

Faszinierend an dieser Lösung ist, daß die Einspeisung des Dipols elektrisch gesehen immer noch in der Strahlermitte stattfindet, obwohl sie mechanisch am Strahlerende zugeführt wird. Die Einspeisung erfolgt praktisch durch ein Bein des Dipols hindurch.

Auf den ersten Blick könnte man eine gewisse Verwandtschaft mit der Fuchsantenne vermuten, die jedoch mit einer echten Endeinspeisung betrieben wird. Elektrisch und auch mechanisch besteht eine viel größere Ähnlichkeit mit der Koaxialantenne (Rothammel, Kap. 25.1.1., S. 446).

Praktische Ausführung

Als Halbwellen-Vertikalstrahler wird sich diese Antenne in den meisten Fällen nur auf 10 m und 15 m, allenfalls noch auf 20 m, realisieren lassen, wenn man Fiberglasruten als Antennenträger verwendet. Das ganze Antennengebilde einschließlich der erforderlichen Speiseleitung, von der Antennenspitze bis zum PL-Stecker, läßt sich aus einem einzigen, ununterbrochenen Stück Koaxialkabel RG 58 herstellen, zumindest bis zur Strahlermitte. Das obere Lambda/4-Stück kann natürlich auch aus Antennenlitze bestehen.

Hier ein Bemessungs- und Aufbaubeispiel für das 10-m-Band. Die beiden Lambda/4Abschnitte des Strahlers sind mit je 2,60 m bemessen. Der Isoliermantel des Koaxkabels wird in der Strahlermitte etwas vorgeschoben, so daß die Reste der Abschirmung darunter verschwinden. Diese Trennstelle wird mit einem Stückchen Schrumpfschlauch abgedichtet. Die Anschlußstellen für den Drehkondensator kurz vor und hinter der Spule werden mit einem scharfen Kabelmesser auf etwa 1 cm Länge freigelegt. Die Spule selbst besteht aus fünf Windungen bei 6 cm Durchmesser, Windung an Windung mit Isolierband und Kabelbindern festgelegt oder gleich auf einen passenden Wickelkörper aufgebracht.

Man kann den T2LT auch als Einzelstück aufbauen, indem Speiseleitung und Strahler mit PL259 und S0239 angeschlossn werden. Zum Abgleich ist es zumindest vorteilhaft, wenn die Speiseleitung mit Stecker und Buchse angeschlossen ist, um dort ein SWRMeter einschleifen zu können.

Zur Inbetriebnahme wird der T2LT auf Bandmitte des gewünschten Arbeitsbereichs abgestimmt, indem das SWR-Minimum gesucht wird. Im 10-m-Band ergibt sich eine brauchbare Bandbreite mit einem SWR bis zu 1,5 von etwa 500 kHz.

Für wahlweisen Betrieb im CW- bzw. SSBBereich braucht die Strahlerlänge nicht kor rigiertzu werden, denn die anfallenden Blindkomponenten lassen sich mit der Schwingkreisabstimmung kompensieren.

Als Bemessungsdaten für die übrigen Kurzwellenbänder lassen sich die Kreisdaten für Zwischenkreise aus Tab. 10.2. auf S. 157 im Rothammel-Antennenbuch als ungefähre Richtwerte anwenden. Mit diesen LC-Angaben müßten ausreichende Kreisgüten zu erreichen sein.

Schlußbetrachtung

Das gute Funktionieren dieser Antenne ist abhängig von der möglichst hohen Impedanz bzw. der Kreisgüte Q im Resonanzfall. Dies ist ohneweitereseinleuchtend, denn um so besser wird das hochohmige Ende der unteren Dipolhälfte vom nachfolgenden niederohmigen Koaxkabel abgetrennt oder, besser ausgedrückt, isoliert.

Übrigens befindet sich im Artikel vom OM Stahler ein sachlicher Fehler, über den leicht hinweggelesen wird, da der richtige Sachverhalt wohl so selbstverständlich ist, daß es zumal noch im englischen Originaltext gar nicht mehr auffällt.

Zitat: With a low number of turns, the resonating capacitor will be large, the Q high, and the bandwidth narrow." Hiervon stimmt jeweils nur der erste bzw. der zweite Teil des Satzesfürsich allein. Übersetzt: "Miteinergeringen Windungszahl wird das C groß sein, die Kreisgüte Q hoch und die Bandbreite schmal."

Im Gesamtzusammenhang ist dies nicht richtig, denn bei kleinem L und großem C ist es genau umgekehrt. Ein möglichst hohes LG-Verhältnis hat ein hohes Q und damit schmale Bandbreite zur Folge.

Die T2LT-Antenne läßt sich selbstverständlich wie jeder normale Dipol auch horizontal aufhängen. Dies käme für eine Anwendung auf den "tieferen Bändern" 40 m und 80 m in Betracht. Da ein 20 m langes Koaxkabel kaum auf Zug belastbar ist, müßte der Koaxkabelteil mit einem zusätzlichen Kunststofftragseil getragen werden.

Die T2LT-Antenne besitzt zwar den Nachteil der doppelten Aufbauhöhe gegenüber Lambda/4-Strahlern, der große Vorteil liegt jedoch in der Erdunabhängigkeit des in sich geschlossenen Lambda/2-Strahlers. Somit wird kein aufwendiges Radialnetz benötigt. Der Wirkugsgrad ist damit unabhängig von den gegebenen Erdverhältnissen. Zusätzlich besitzt ein Lambda/2-Strahler einen leichten Gewinn gegenüber dem Lambda/4-Strahler.

Beim Vergleich im 10-m-Band gegenüber einer GPA30 mit schlechten Erdverhältnissen (1 Radial pro Band, was in der Praxis oft der Fall ist!) war die T2LT deutlich überlegen.

DF2BC, Alfred Klüß.